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Über Trauma | Unser Verständnis

Seelische Verletzung und Trauma

Jedes Ereignis kann vom Beginn des menschlichen Lebens an eine seelische Verletzung hervorrufen und zu einem Trauma werden. Die Wissenschaft kann inzwischen eindeutig belegen, dass schon im Mutterleib Traumatisierungen entstehen können. Ebenso setzen sich diese Möglichkeiten unter der Geburt, direkt nach der Geburt und im weiteren Verlauf des Lebens fort.
Unabhängig davon, durch wen und wodurch Menschen seelisch verletzt und traumatisiert wurden, erleben sie den Faktor der Ablehnung. Dieser Ablehnungsmechanismus bewirkt einen Wertverlust in ihnen, der massiv lebensbeeinträchtigende Auswirkungen haben kann. Er ist ein entscheidender Faktor in der Traumatisierung.

Die Komponente der Ablehnung

Vernachlässigung erzeugt Ablehnung. Gewalt erzeugt Ablehnung. Seelischer, körperlicher und geistlicher Missbrauch erzeugen Ablehnung. Dramatische Ereignisse und Katastrophen erzeugen Ablehnung. In all diesen Geschehnissen wird der Mensch mit seiner (sich entwickelnden) Persönlichkeit, seinem persönlichen Glauben, seinem bisherigen Leben und seinen eigenen Werten infrage gestellt. In ihm entsteht der Eindruck, nicht selbstbestimmt handeln und leben zu können und mit den Vorstellungen und Glaubensinhalten über sich selbst falsch zu liegen.

„Offenbar muss etwas an mir verkehrt sein. Sonst würde ich doch nicht so behandelt werden; Ich habe es wohl verdient; Sonst wäre ich doch nicht in diese Situation geraten; …“

Die Fassungslosigkeit über das Geschehen und die Handlungsunfähigkeit in den entscheidenden Momenten münden in der Erkenntnis, dass die Person in sich selbst (ICH bin) falsch sein muss. Ihr von ihr selbst angenommener Wert verringert sich mit jedem Übergriff und jeder Verletzung. Erniedrigung und Beschämung begleiten diesen Ablehnungsmechanismus, der im Unterbewusstsein abläuft, solange bis es gelingt, ihn im Bewusstsein zu bearbeiten. Begleitet wird dieser Mechanismus zwangsläufig von einem riesigen Vertrauensverlust. Das Vertrauen in sich selbst, das Vertrauen in die Bezugspersonen und die Menschen im Allgemeinen sowie das Vertrauen in das Leben an sich werden erschüttert und gehen gegebenenfalls ganz verloren. Besonders tragisch sind diese Auswirkungen bei Kindern, deren Persönlichkeit sich erst in der Entwicklung befindet und aus diesem Grund besonders empfindsam und leicht zu beschädigen ist.

Traumatologie

Das Fachgebiet der Traumatologie ist erst seit wenigen Jahren in das Bewusstsein der Menschen gerückt. Die Traumapädagogik ist ein relativ neuer Ausbildungsbereich, obwohl doch Traumatisierungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nicht neu sind. Menschen, die in ihrer Kindheit, oft über einen langen Zeitraum hinweg, schwer verletzende und traumatisierende Erfahrungen gemacht haben, leben heute sehr häufig mit den schwerwiegenden Folgen dieser Traumata. Sie finden kaum Hilfe, weil zu wenig Zusammenhänge zwischen ihren vielleicht Jahrzehnte zurückliegenden Beschädigungen und ihrer heutigen Situation hergestellt werden.

„Und es gibt außerordentlich wenig spezialisierte Behandlungsprogramme für Erwachsene, die als Kind misshandelt wurden. Wer als Erwachsener um Hilfe nachsucht, wird wahrscheinlich häufig eine unangemessene Behandlung, wenn nicht gar eine eindeutige Fehlbehandlung erfahren.”

Onno van der Hart (Professor für Psychopathologie chronischer Traumatisierungen) in Trauma und die Folgen von Michaela Huber.

Wunderbarer Mensch

Christuszentrierte Seelsorge und Therapie berücksichtigt die von Gott gewollte und bei seelisch verletzten Menschen in Teilen verborgene, wunderschöne Persönlichkeit des Menschen. Die verborgenen bzw. versteckten und im Inneren abgeschirmten Anteile werden wiederentdeckt und zu neuem Leben erweckt. Dieses Geschehen wird den Menschen massiv stärken und ihn sicherer in seinem persönlichen Sein und in seinen Handlungsspielräumen machen. Das Selbstbewusstsein, der Selbstwert, das Selbstvertrauen und das Vertrauen in die Außenwelt werden (wieder) neue Kraft gewinnen. Die Fähigkeit zur Selbstregulierung ist dem Menschen gegeben. Er verfügt über innere Ressourcen. die ihm bis zum einem gewissen Grad ermöglichen, durch eigene Kraft im Körper und in der Seele Heilung zu erleben. Doch benötigt er an vielen Stellen Unterstützung durch Außenstehende und durch Hilfsangebote, die Körper und Seele begleiten bzw. therapieren, wenn er nicht geschwächt und krank bleiben möchte. Alle Hilfs- und Unterstützungsangebote müssen hierbei dem Alter und dem Entwicklungsstand des Menschen angepasst werden.